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Groß und mächtig - Die Honda Rune

1832 ccm Hubraum, Sechs Zylinder, ein unglaubliches Drehmoment von 162Nm, das schon bei 3.500 Umdrehungen schlagend wird, das sind die Eckdaten der Honda Rune, die wir für ein verlängertes Wochenende fahren konnten. Gleich vorweg: Es waren erfahrenswerte Tage!
Schon rein optisch mit kaum einem anderen Cruiser zu vergleichen, zeigte der Boxermotor schon auf den ersten Kilometern recht deutlich auf, wo der Hammer hängt.

Eine kleine, gemütliche Ausfahrt zu Freunden stand auf dem Programm, die beste Beifahrerin von allen inklusive. Ein wenig hatten wir schon von der Rune gehört, allerdings war dann die Überraschung schon ein wenig groß, als sich die Rune trotz der extremen Maße als Einsitzer herausstellt. Na gut, kurzfristige Umplanung, das Wetter sollte ja eh nicht so perfekt werden.

Das Manövrieren in der für dieses Motorrad dann doch recht engen Garage der Honda Zentrale in Wr. Neudorf wurde trotz kurzzeitig aufgekommener Bedenken wegen des glatten Bodens unter den wachsamen Augen von Waltraud Seiner dann doch ohne große Probleme bewältigt und kurze Zeit später kann die Rune beim Sprint auf dem Beschleunigungsstreifen der A2 erstmals ihre Qualitäten beweisen.

Der Motor gehört zur eher unglaublichen Sorte, als Basis dient der Sechs-Zylinder Boxer Motor der Gold Wing, allerdings verpassten ihm die Honda Ingenieure wesentliche Änderungen, die ihn nun im Gegensatz zur „biederen“ Version in der Goldwing zu einem echten Muskelpaket machen. Lassen die 82 kW (112 PS) noch an eher „Durchschnittswerte“ denken, kann das Anliegen des maximalen Drehmoments von 162 Nm schon bei der niedrigen Drehzahl von 3.500 Umdrehungen nachdenklich machen.

Eigentlich würden diesem Motorrad zwei Gänge vollkommen genügen. Die Kraft, die der Motor mittels Kardanantrieb auf die Straße bringt, ist schier unendlich. Ein Gang zum Anfahren, dann durchschalten bis in die Fünfte und alles weitere den Motor machen lassen. Dieses Rezept stellte sich nach kurzer Fahrt als goldrichtig heraus. Selbst aus Kehren heraus gab es damit kein Verschlucken, kein Ruckeln. Eine Drehbewegung am rechten Griff quittiert der Motor mit einem Sound, der aus alten amerikanischen Zwölfzylindern kommen könnte und mit einer sehr sehr direkten Veränderung am digitalen Tachometer.

Auch das Fahrwerk besticht mit einigen Besonderheiten. Die Schwinger-Gabel, die sich nur aus Gewichtsgründen nicht wirklich durchsetzen konnte, verhindert das Eintauchen des Vorderrades beim Bremsen ebenso wirkungsvoll wie das Pendant bei BMW, der Aluminiumrahmen erstreckt sich über den extremen Radstand von knappen 1.8 Meter Länge, übrigens der längste, den Honda bisher gebaut hat.

Klar, die Konzeption als Cruiser lässt die Schräglagen recht bald mit kratzenden Geräuschen ein Ende finden, enge Wechselkurven oder ganz enge Straßen werden durch den weit nach hinten gezogenen Lenker durchaus auch ein wenig mühsam, alles Eigenheiten, die durch die Wahl der richtigen Straßen aber leicht ausgeglichen werden können. Und um in Richtung des sonntäglichen Ausflugszieles Kalte Kuchl hinter durchaus sportlicheren Fahrzeugen dranzubleiben oder auch an dem einen oder anderen vorbei zu gehen, reicht sie alle mal locker aus.

Bei dem Eigengewicht von 385 Kilogramm benötigt die Rune natürlich auch ein ausgefeiltes Bremssystem, das von Honda mit dem kombinierten CBS Bremssystem ausgelegt wurde. Zur Leistung sein nur gesagt: Vollkommen ausreichend um die Rune auch aus größeren Geschwindigkeiten wirkungsvoll und schnell zum Stillstand zu bringen, wer’s mag auch mit kräftig blockierendem Hinterrad.

Moralische Reife braucht man jedenfalls eine ganze Menge, will man dieses Motorrad in der Öffentlichkeit bewegen. Zu futuristisch, zu auffällig ist es, als dass es unerkannt bleiben könnte. Und zu sehr steckt der Wolf im Schafspelz, als dass diese Eigenheit nicht ausprobiert werden würde.

Wer einen Blick aus dem Bürofenster auf die unten geparkte Rune werfen kann, sieht, dass praktisch jeder Passant im Vorbeigehen zumindestens einen flüchtigen Blick riskiert, jeder dritte oder vierte bleibt stehen und unterzieht die gewagten Formen der Rune eines genaueren Blickes.

Vor allem der tief herabgezogene hintere Kotflügel mit den langen LCD-Lichtern erregt die Aufmerksamkeit des Publikums, der weit nach vorne ragende, markante Scheinwerfer erinnert zu sehr an Munchs Schrei, um diese Tatsache hier unerwähnt zu lassen. Das elegant beim Tank versteckte Display ermöglicht eine minimalistische Anzeigeeinheit in der Lenkermitte. Die tief sitzenden Endrohre, der weit seitlich herausragende Motor, hier ist einfach alles ungewöhnlich.

20 Stück nur wurden von Honda Österreich importiert. Angesichts der Tatsache, dass das die Einzigen sind, die nach Europa kamen, eine bemerkenswerte Leistung. Wieviele davon auf Österreichs Straßen ihr Unwesen treiben, weiß man bei Honda nicht, zahlreiche Exemplare ziehen auch auf deutschen, schweizer und sonstigen europäischen Straßen ihre Kreise.
Einige wenige Exemplare in Rot gibt es noch, bei einem Kaufpreis von knappen € 40.000,- kann ja wohl das Umlackieren auf das elegantere Schwarz kein Problem mehr darstellen.

Fazit: Ein Motorrad der Sonderklasse, sicherlich nicht jedermanns Sache. Wer allerdings das Vergnügen hatte, den Motor selbst einmal gespürt zu haben, kann die Begeisterung des Traumrouten-Teams sicherlich teilen.

Technische Daten

Motor Flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder Viertakt Boxermotor, SOHC, 12 Ventile, geregelter Dreiwege-Katalysator   Endantrieb Kardan
Bohrung x Hub 74 x 71 mm   Abmessungen (LxBxH, in mm) 2.700 x 850 x 1.200
Hubraum 1.832 ccm   Radstand (in mm) 1.750
Verdichtung 9,8 : 1   Sitzhöhe (in mm) 691
Gemischaufbereitung Computergesteuerte Kraftstoffeinspritzung PGM-FI   Bodenfreiheit (in mm) 135
Max. Leistung 82 kW (112 PS) bei 5.500 min-1   Tankinhalt 23 Liter
Max. Drehmoment 162 Nm bei 3.500 min-1   Bereifung vorn: 150/60R18
hinten: 180/55R17
Zündung Computergesteuerte digitale Transistorzündung mit elektronischer Frühverstellung   Radaufhängung vorne: Springer Gabel, 99mm Federweg
hinten: Einarmschwinge mit Pro-Link System, 99 mm Federweg
Starter Elektrostarter   Bremsen vorne: 330-mm Doppelscheibenbremse mit Dreikolbenbremszange, kombiniertes Bremssystem CBS
hinten: 336-mm Scheibenbremse mit Zweikolbenbremszange, kombiniertes Bremssystem CBS
Getriebe 5 Gänge   Trockengewicht 385 kg

Datum der letzten Änderung: 29.3.2006

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