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Yamaha Fazer 1000 - Baujahr 2002

Geschwister sind ja doch was schönes, dachten sich die Ingenieure im fernen Japan und überlegten, wie denn ein großer Bruder zur kleinen 600 Fazer beschaffen sein müsste.

Gut, die gleiche Mutter muss es sein, aber ein großer Bruder ist doch immer stärker und ein bisschen überlegener. Als Vater kam daher nur der Supersportler R1 in Frage, von dem die 1000er Fazer sozusagen das Herzstück, nämlich den Motor erbte.
Schon die erste Auflage des neuen Kindes brachte ein aggressiveres Erscheinungsbild an den Tag, im Modelljahr 2002 wurde dieses auch der kleineren Schwester verpasst, wodurch beim schnellen hinschauen die optischen Unterschiede ein wenig verblassen. Erst wenn sie beide nebeneinander stehen, sieht man doch Unterschiede, die sich nicht nur im Schriftzug zeigen.

Motor und Getriebe

Vor allem der knapp 1.000 ccm große Motor braucht um einiges mehr an Platz, der ordentlich aufgeräumte Reihenvierzylinder kann seine Herkunft nur schwer verleugnen. In kaltem Zustand noch ein wenig unwillig beginnt er nach einigen Minuten leise zu brummen und wartet auf Befehle der rechten Hand. Diese weiß er dann unvermittelt aber ohne allzu brutal zu wirken auch umzusetzen. Die unglaubliche Leistung von 143 PS lässt den Fahrer unter Umständen recht schnell in den verbotenen Bereich abgleiten, vor allem innerstädtische Ampelstarts sollten mit einem Auge am Tacho mitverfolgt werden. Wer es darauf anlegen will und den ersten Gang voll ausdreht, kann innerstädtisch bei Beobachtung durch die Exekutive gleich seinen Führerschein abgeben, 120 km/h sind wohl nicht mehr mit Entschuldigungen wegzudiskutieren.

Das Feine an diesem Triebwerk ist allerdings das nahezu bei allen Drehzahlen anliegende Drehmoment, das seinen Höhepunkt bei 7.500 Touren hat. Schon früh, ab ca. 1.600 Umdrehungen, hat der Motor nämlich genügend Kraft um ohne zu Stottern hochzudrehen. Einer halbwegs gemütlichen Stadt- oder Landpartie steht also auch nichts im Wege, ein Vorteil der nicht zu unterschätzen ist. Gepaart mit einem ruhigen Lauf ohne Vibrationen an den Lenker weiterzugeben, macht dieser Motor die Fazer wohl zu einem der alltagstauglichsten Sporttourer in seiner Klasse. Zudem ist der Motor angenehm treibstoffsparend, ein Testverbrauch bei gemischter Fahrweise von knapp unter 6 Litern lässt bei dem 21 Liter Tank Reichweiten 350 Kilometern locker erreichbar erscheinen.

Auch das Getriebe erntet höchstes Lob, das Schalten erfolgt blitzschnell ohne störendes Ruckeln oder Haken, präzise kann mit leichten Fußbewegungen der nächste Gang eingelegt werden.

Das Fahrwerk und die Bremsen

Was in manchen Sporttourern mit den immensen Leistungsdaten des Motors nicht ganz mitkommt, wurde von Yamaha bei der Fazer ebenfalls exzellent gelöst. Das Fahrwerk ist ebenfalls sportlich ausgelegt, ohne aber extrem schwerfällig zu wirken. Wie jedes Motorrad dieser Klasse will sie aber mit ein wenig Nachdruck in Kurven gebeten werden, wo sie allerdings dann Unebenheiten klaglos wegsteckt und den einmal gefundenen Radius auch problemlos beibehält. Die 234 Kilogramm werden beim Fahren leicht, fast kann hier wieder der Vergleich zur kleineren Schwester gezogen werden.

Das Lieblingsterrain der Fazer sind Bundesstraßen mit weiten bis mittleren Kurvenradien. Hier kann sie ihre Vorzüge am Besten ausspielen wobei Spezialisten manchmal das frühzeitige Aufsetzen der Fußrasten beklagen. Durch die optimale Gewichtsverteilung passiert es auch nur selten, dass das Vorderrad ungewollt den Boden verlässt, auch mit Sozia und Gepäck muss die rechte Hand schon einigermaßen nervös agieren, um in den gefährlichen Bereich zu gelangen.

Was einem solchen Motorrad noch fehlt sind gute Bremsen, die die erreichten Geschwindigkeiten auch wieder schnell und sicher abbauen. Auch hier glänzt die Fazer mit Bestnoten. Vor allem die Vorderbremse ist perfekt zu dosieren und leitet den Druck an die beiden großen Scheibenbremsen vorne weiter. In Verbindung mit der ebenfalls gut einsetzbaren Fußbremse verfügt der Fahrer jederzeit über ausreichend Reserven. Leider bietet Yamaha noch kein ABS für die Fazer an, hier sollten die Techniker noch mal ein wenig nachdenken um die Sicherheit nochmals erhöhen zu können.

Der Tourer und die Alltagstauglichkeit

Ganz klar als Tourer ausgeprägt ist auch die Alltagstauglichkeit der großen Fazer. Ob im Stadtverkehr, auf dem täglichen Weg über die Autobahn und auch beim Urlaub zu zweit besitzt die Fazer hohe Tourentauglichkeit. Dies schlägt sich auch im Cockpit nieder, zwei Tageskilometerzähler, Digitaluhr, Warnblinkanlage, Tankanzeige und ein stabiler Hauptständer zeigen die Positionierung dieses Motorrades deutlich.

Auch am Sozuissitz können Personen unbeschwert längere Strecken zurücklegen, der Winkel der Knie wird erst bei etwas größeren Personen ein wenig klein, was auf langen Etappen ein wenig störend werden kann. Der dem Fahrer entgegenkommende Lenker ermöglicht ein recht aufrechtes Fahren, ohne auch nur geringen Druck am Lenker aufzubauen. Große Personen werden allerdings mit dem Windschutz ein wenig hadern, die Verwirbelungen am Helm werden allerdings erst bei hohen Geschwindigkeiten jenseits der 180 km/h richtig störend.

Technische Daten

Motor Flüssigkeitsgekühlter 4-Zylinder-4-Takt Motor   Endantrieb Kette
Bohrung x Hub (in mm) 74 x 58   Abmessungen (LxBxH, in mm) 2.125 x 765 x ?1.190
Hubraum 998 ccm   Radstand (in mm) 1.450
Verdichtung 11,4 : 1   Sitzhöhe (in mm) 820
Gemischaufbereitung Mikuni BSR 37/4 mit 37-mm-Ø   Bodenfreiheit (in mm) 140
Max. Leistung 105,2 kW (143,1 PS) bei 10.000 min-1   Tankinhalt 21 Liter
Max. Drehmoment 105,9 Nm bei 7.500 min-1   Bereifung vorn: 120/70 ZR 17
hinten: 180/50 ZR 17
Zündung Digitale Transistor Kennfeldzündung   Radaufhängung vorne: Telegabel mit 140 mm Federweg
hinten: Zentralfederbein mit 135 mm Federweg
Starter Elektrostarter   Bremsen vorne: 298-mm Doppelscheibenbremse
hinten: 267-mm Einscheibenbremse
Getriebe 6 Gänge   Trockengewicht 208 kg

Datum der letzten Änderung: 29.3.2006

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