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Motorrad: Einschwingen ohne Risiko

Die kommenden langen Wochenenden verlocken zu langen Motorradtouren - Nach der Winterpause zunächst abseits der Straße üben und defensiv fahren! - Das Kuratorium für Verkehrssicherheits gibt Tipps zum Einschwingen.

Die ersten frühsommerlichen Maitage haben leider eines gezeigt: Nachdem sie ihre heißen Öfen aus dem Winterschlaf geholt haben, gehen viele Biker im Adrenalinkick zu hohe Risiken ein. Am letzten Wochenende starben drei Motorradlenker und eine Mitfahrerin bei riskanten Überholmanövern. "Nach dem traurigen Rekordjahr 2003 sank die Zahl der Motorradunfälle im Vorjahr zwar um 8,3 Prozent auf 3.318, jene der getöteten Motorradlenker und -mitfahrer von 109 auf 98", weiß Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). "Damit wurde aber nur jenes - trotzdem zu hohe - Niveau wieder erreicht, auf dem wir seit Jahren stagnieren." Das größte Risiko besteht am Anfang der Motorradsaison, wenn sich Fahrer und Bike erst aufeinander einstellen müssen, um eine sichere Einheit zu ergeben. Ein Motorradfahrer bringt es im Jahr nur auf etwa ein Drittel der durchschnittlichen Fahrleistung eines Pkw-Lenkers. Der Übungseffekt ist also wesentlich geringer.

Gleich zu Beginn: Check your bike!

Idealerweise wurde das Motorrad so eingewintert, dass jetzt nur die Batterie geladen und eingesetzt werden muss. Auf jeden Fall müssen aber Scheinwerfer, Rück- und Bremslichter, Blinker und vor allem die Bremsen und das Reifenprofil noch einmal überprüft werden. Vor dem ersten "Ausritt" auf der Straße sollte in einem Fahrsicherheitszentrum das Kurven fahren, Beschleunigen und Bremsen geübt werden.

Die richtige "Sommerkombi" darf dabei nicht fehlen:

Abriebfeste und trotzdem luftdurchlässige Monturen, die an exponierten Körperstellen mit Leder verstärkt sind, bieten Schutz und halten bei Hitze eine angenehme Temperatur. Die Protektoren müssen der CE-Norm entsprechen und dürfen im Falle des Unfalles nicht verrutschen. Bei einem Sturz stützt man sich als erstes mit den Händen ab, Lederhandschuhe mit Protektoren sind daher ideal. Ordentliche Motorradstiefel schützen Füße und Unterschenkel, ein Sturzhelm mit kratzfreiem Visier ist selbstverständlich.

Straße "lesen" und bremsen üben

Rund 36 Prozent der getöteten und 31 Prozent der verletzten Motorradlenker und -mitfahrer mussten 2004 bei Alleinunfällen beklagt werden. "Wer die kommenden verlängerten Wochenenden nutzen will, um nach dem Winter wieder länger am Motorrad auf Tour zu gehen, sollte besonders defensiv fahren", rät Thann. "Biker, die im Alltag hauptsächlich mit dem Auto unterwegs sind, müssen erst die Reflexe umstellen. Was für einen Autofahrer kaum ins Gewicht fällt - etwa Rollsplitt - kann am Motorrad zur Geschicklichkeitsübung werden." Die Straße "lesen", also Gefahrenquellen in der Straßenbeschaffenheit rechtzeitig erkennen, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die intensiv trainiert werden muss. Eng damit verbunden ist richtiges Bremsen. Rund 54 Prozent der Motorradunfälle sind durch gutes und richtiges Bremsen positiv beeinflussbar. Bremsübungen helfen zu verhindern, dass in einer Schreckreaktion zu stark gebremst wird und die Räder blockieren. ABS ist auch für Motorräder eine lohnende Investition, die im Ernstfall Leben retten kann, da der Durchschnittsfahrer damit eine um 25 Prozent bessere Bremsleistung erzielt.

Unfallursache "übersehen werden"

Wenn Pkw und Motorrad kollidieren, hat das meistens einen sehr banalen Grund: In zwei Drittel der Fälle hat der Autofahrer den Motorradlenker schlicht übersehen, oft weil dieser zu dicht hinter einem größeren Fahrzeug gefahren ist und vom abbiegenden Pkw "abgeschossen" wurde. "Nur mit genügend Abstand zum Vordermann wird man auch mit ausreichender Zuverlässigkeit gesehen", warnt Thann. "Und auch wenn das Gefühl der Beschleunigung noch so verlockend ist, beim Überholen sollten Voraussicht und Vorsicht regieren."

Datum der letzten Änderung: 4.5.2005

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