Die Freiheit auf zwei Rädern begeistert immer mehr Österreicher. Der Preis dieser Leidenschaft kann hoch sein. "Das Motorrad ist das Verkehrsmittel mit dem höchsten Risiko, tödlich oder schwer zu verunglücken. Bereits jeder achte Getötete im Straßenverkehr ist Lenker oder Mitfahrer auf einem Motorrad", weiß ÖAMTC-Verkehrstechniker Roman Michalek. Für mehr aktive und passive
Sicherheit am Bike muss deshalb noch viel getan werden. "Faszination Motorrad"- Freiheit mit Risiko titelt das Frühjahrssymposium von ÖAMTC und ÄKVÖ, Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs. Eine prominent besetzte Fachrunde beleuchtet heute, Dienstag, Unfallgeschehen und -folgen, Rehabilitation sowie Maßnahmen zu mehr aktiver und passiver Sicherheit.
2004 starben 93 Motorradlenker bei Verkehrsunfällen, davon 92
Männer und eine Frau. Zwei Drittel aller Motorradunfälle ereignen
sich zwischen Mai und August. Schönes Wetter, trockene Fahrbahn, warme Temperaturen - das sind die besten Voraussetzungen für eine Ausfahrt mit dem Motorrad, leider aber auch für einen Unfall. Bei lediglich acht Prozent aller Motorradunfälle ist die Fahrbahn nass. "Die schwersten Unfälle passieren dort, wo sich die Fahrer besonders sicher fühlen", konstatiert Michael Praschl, Motiv- und Mobilitätsforscher und Projektkoordinator der Initiative "Bikers Project".
"Beinahe jeder dritte Motorradunfall ist ein Alleinunfall", sagt
ÖAMTC-Experte Michalek. Problemschwerpunkte von Alleinunfällen im Freiland sind vor allem Kurven, in denen es zum Aufprall an
Leiteinrichtungen, an Bäumen oder sonstigen Hindernissen kommt.
Hauptunfallursachen sind "nicht angepasste Geschwindigkeit" und
"sonstiges Fehlverhalten des Fahrzeuglenkers". Bei zwei von drei
Motorradunfällen mit mehreren Beteiligten trifft den Motorradlenker
keine Schuld. In 72 Prozent dieser Fälle handelt es sich um klassische Kreuzungsunfälle, die durch Konflikte beim Abbiegen,
Einbiegen oder Kreuzen ausgelöst werden.
"Ein motorradspezifisches Verletzungsmuster im eigentlichen Sinn gibt es nicht. Die anteilsmäßige Häufigkeit von Polytraumen nach
Motorradunfällen ist allerdings ein unbestreitbares Charakteristikum", weiß Harald Hertz, ärztlicher Leiter des UKH
Lorenz Böhler der AUVA. "Die Kombination aus Schädel-Hirntrauma, Thoraxverletzung und komplexen Extremitäten-Frakturen findet trotz bestmöglicher medizinischer Versorgung allzu oft einen tödlichen Ausgang. Nicht umsonst spricht man im unfallchirurgischen Jargon galgenhumorartig vom 'Morbus Kawasaki'".
Zu hohe Fahrgeschwindigkeiten gepaart mit Fahrfehlern und
Selbstüberschätzung sind für einen Großteil der Motorradunfälle
verantwortlich. Hier kann letztlich nur jeder Einzelne im Zuge von
Fahrsicherheitstrainings, Schulungen und durch bewusst defensive
Fahrweise seinen persönlichen Beitrag zur Unfallvermeidung leisten. Bei den Fahrsicherheitstrainings des ÖAMTC wird besonderes Augenmerk auf Blicktechnik und Körperhaltung der Motorradfahrer gelegt. Hans Danzinger, Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Melk, beschreibt in seinem Vortrag unter anderem die Problematik der verzerrten Wahrnehmung eines Motorradfahrers in Schräglage und Lösungen, die der ÖAMTC mit seinen Kursen vermittelt. Weitere Ausbildungsangebote sind zum Beispiel die "Warm Ups" im Frühling, sowie mit der Arge 2Rad
"Womens Biking" und "Moped & Co", eine neue Initiative für die
Jugend.
Auch die Führerschein-Ausbildung geht verstärkt in Richtung
"sicheres Verhalten". "Mit Einführung der Computerprüfung für die Theorie und den deutlich verlängerten Fahrzeiten (die dennoch nur das Minimum der EU-Anforderungen darstellen) bei der praktischen Prüfung konnte der Schwerpunkt noch weiter Richtung Verhalten im Straßenverkehr verschoben werden", sagt Alexander Seger von der Fahrschule Fürböck.
Neben der umsichtigen Fahrweise hat die Bekleidung wichtige
Schutzfunktion. Unerlässlich, auch bei größter Sommerhitze, ist der passende Helm. Auch bei Protektoren und Schutzkleidung geht die Entwicklung zu mehr Qualität. Bei der Ausstattung der Motorräder sind sich die Experten einig, dass die Antiblockier-Systeme, auch bereits bei Mittelklasse-Motorrädern, eine wichtige Innovation darstellen. "2000 waren noch 4,48 Prozent der Fahrzeuge, die zugelassen wurden, mit ABS ausgestattet, 2004 aber bereits 10,68 Prozent. Der Trend ist weiter steigend", sagt Karin Munk, Arge 2Rad.
Wichtigste Komponente für die Verkehrssicherheit ist der
partnerschaftliche Umgang zwischen Einspurigen und Autofahrern. Eine ausführliche Information der Autolenker über die Aspekte des
Motorradfahrens trägt wesentlich zu einem "besseren Klima" bei.
Rücksichtnahme, Verständnis und Mitdenken aller Beteiligten machen die Straßen sicherer.
Datum der letzten Änderung: 5.4.2005
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